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Angelika Falkner-Musial ist inzwischen Vorsitzende des Gremiums und war an der Gründung vor acht Jahren beteiligt.

Im Juni ist es soweit: Der Beirat für die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen der Stadt Falkensee nominiert neue Mitglieder. Im Rahmen einer Serie haben die aktuell Beteiligten der MAZ erzählt, was für sie persönlich Teilhabe bedeutet und wofür sie sich einsetzen. Angelika Falkner-Musial ist die Vorsitzende des Beirats und war an dessen Gründung vor acht Jahren beteiligt.

Falkensee Fuer Angelika Falkner Musial faengt Barrierefreiheit im Kopf an big teaser article

 

Über den Offenen Treff in die Kommunalpolitik

„Dass ich angefangen habe, mich in Falkensee zu vernetzen – daran hat eine Freundin schuld. Sie erlebte meine Erblindung und war der Meinung: Ich und ein Sofa, das passt nicht zusammen“, erzählt Falkner-Musial. Die Freundin nahm sie 2013 mit zum Offenen Treff, dessen Anliegen es war, die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in der Gartenstadt voranzutreiben. „Die Treffen waren einmal im Monat und meine Freundin hat mich konsequent ein halbes Jahr lang mitgeschleppt. Irgendwann merkte ich – jetzt schleppe ich sie mit“, erinnert sich die Beiratsvorsitzende.

Das Thema Behinderung war für die 60-Jährige, die seit ihrem 12. Lebensjahr Diabetes Typ 1 hat, zuvor ein nicht zu betretendes Gebiet: „Ich habe meine eigene Behinderung jahrelang geleugnet. Diabetikerin in der Schule zu sein, war damals schwierig und von Ausgrenzung begleitet, und das ist heute leider immer noch so. Selbst, als ich mich für meine Ausbildung als Bankkauffrau beworben habe, war ich offiziell gesund.“

Heute hat Falkner-Musial einen anderen Blick auf die Thematik und vertritt eine klare Meinung: „Barrierefreiheit fängt im Kopf an. Wichtig ist, dass es Menschen in der Schule gibt, die Inklusion im Kopf wollen. Dazu gehört auch, Kinder nicht in Förderschwerpunkte reinzuschreiben und defizitär darzustellen, damit sie eine halbwegs normale Schullaufbahn haben können.“

Diese klare Haltung entwickelte Falkner-Musial auch durch den Offenen Treff. Die Mitarbeit stellte für sie einen Wendepunkt in ihrem Leben dar: Sie setzte sich mit ihrer eigenen Situation auseinander, fand Gleichgesinnte und merkte vor allem, dass ihr die politische Arbeit lag: „Selbsthilfegruppen sind persönlich nicht so mein Ding – ich habe Lust, Dinge in die Hand zu nehmen und aktiv zu werden.“

Aus dem Offenen Treff gründete sich der Beirat

Als sich der Beirat für die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen 2014 aus dem Offenen Treff gründete, um den Anliegen einen rechtlichen Rahmen zu geben, war sie deswegen sofort Feuer und Flamme. Und das, obwohl die Politik anfangs noch ziemliches Neuland für sie war: „Meine Ahnung von Kommunalpolitik war gleich null. In den ersten vier Jahren habe ich als stellvertretende Vorsitzende gelernt – in der zweiten Legislaturperiode habe ich dann gesagt, dass ich selbst gerne den Vorsitz übernehmen möchte.“ Der Leitungsposten reizte die Vorsitzende, um steuern und Impulse setzen zu können. „Mein Fokus liegt vor allem auf der Öffentlichkeitsarbeit. Das ist ein ganz großer Punkt. Ein städtisches Gremium kann nur mit Leben gefüllt werden und den Bürgern dienen, wenn ich weiß, was sie wollen“, überlegt sie. Sie hofft deswegen, dass der Offene Treff wiederbelebt wird. Zu diesem wurden vor der Corona-Pandemie regelmäßig Leute eingeladen, um vertieft Themenschwerpunkte zu behandeln.

Im Hauptausschuss an allen kommunalpolitischen Debatten nah dran

Falkner-Musial betreibt nicht nur Vernetzungsarbeit und macht Beratungen, sie sitzt auch für den Beirat im Hauptausschuss und beobachtet dort eine Vielzahl kommunalpolitischer Debatten in der Gartenstadt – immer unter dem Gesichtspunkt der Teilhabe. „Das Hallenbadthema war uns sehr wichtig – Wasser ist ein Element, das unterstützt. Dann ist das Thema Barrierefreiheit ständig präsent: Zum Beispiel bei der Bibliothek. Es reicht nicht, dass es einen Lieferservice gibt“, macht Falkner-Musial klar. Denn Teilhabe bedeutet für sie in erster Linie: „Dabei sein! Egal, welche Widrigkeiten man mit sich herumträgt.“

Von Leonie Mikulla

Quelle: https://www.maz-online.de

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